India-Babylon für Abiturienten

(Der folgende Beitrag betrifft die Abitursvorlage Farewell to an India I Hardly Knew).

Die vom MSW veröffentlichten Abitexte der letzten Prüfungen enthalten üblicherweise auch die Vokabelhilfen,  also die sogenannten Annotations. Ob die „Vokabelhilfen“ für diese Textvorlage den Prüflingen überhaupt geholfen haben, ist zweifelhaft. Hier jedenfalls die mickrigen Original-Annotations, wie sie den Prüflingen vorgelegt wurden:

Annotations Farewell to an India Diese kümmerlichen Annotations sind nutzlos. Schon der erste Eintrag (Zeile 9) muß den Prüfling verwirren: Der Ausdruck selbst wird nicht umschrieben oder erklärt – wie man es erwarten könnte. Statt dessen wird umständlich gemurmelt, worauf er sich bezieht. Das heißt also, die Vokabeln saffron, Kit-Kat bars und silver platter werden nicht erläutert. Das ist so, als würde man bei der DB nach einer Zugverbindung fragen und bekäme eine Erläuterung des Streckenplans.

Nicht genug, es kommen neue Unbekannte hinzu: Was ist z.B. eine Sacred Thread ceremony oder ein coming-of-age ritual? Was heißen die Vokabeln solemn oder rite, und was ist ein sumptous feast? Selbst, wenn der Prüfling all diese zusätzlichen Vokabeln nachgeschlagen hat, ist er um keinen Deut schlauer. Die Verwirrung ist komplett, und wer schlau ist, läßt sofort die Finger von dieser Prüfungsaufgabe.

Der Prüfungstext trägt außerdem deutliche Züge von Indian English – und ist deswegen über weite Strecken unverständlich, selbst für native speakers des britischen Englisch. Schlimmer jedoch: die Vorlage hält den einsamen Rekord von ca. 66 unbekannten Vokabeln, wobei ganze Phrasen und Ausdrücke mitgezählt sind.  Die sog. Annotations helfen leider überhaupt nicht, sie sind nur ein müder Furz. Lediglich die 3 Erklärungen bzw. Umschreibungen für die Zeilen 32, 41 und 56 könnten als verwertbar bezeichnet werden. Man fragt sich unwillkürlich, welcher MSW-Flachkopf unkontrolliert und ungestraft dieses Abitursthema auswählen und den Aufgabenapparat verfassen durfte.

Hier zur Verdeutlichung noch einmal der Text mit Kennzeichnung des Materials, das wir für unbekannt, unverständlich oder sogar unerklärbar halten: Farewell to an India Abi-Version Vokabular. Schon an dieser Stelle sei gesagt: es lohnt sich nicht, als kommender Abiturient einen Blick auf diese Klausur zu werfen. Völlig überflüssig.  Es sei denn, man möchte gerne sehen, wieviel Schwachsinn auf einmal produziert werden kann. . . .

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Über Saint Paul

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Eine Antwort zu India-Babylon für Abiturienten

  1. Frank Mertens schreibt:

    Ich wundere mich über die 66 lila eingefärbten
    Ausdrücke, die LK-Schüler alle angeblich nicht verstehen sollen.
    Was ist an „pulsating cities“ z.B. schwer zu erschließen? Pulsierende Städte wird ein(e) LK-Schüler(in) wohl kennen oder zumindest eine lebendige Metropole damit verbinden.
    Eure Markierungen enthalten so viele für einen LK-Schüler zum erweiterten Aufbau- oder zum erschließbaren Wortschatz gehörende Lexeme,
    dass ich mich ehrlich frage, worüber ihr euch aufregt. Außerdem ist die Bearbeitungszeit aus Sicht der meisten Abiturienten eher üppig bemessen und sowohl ein einsprachiges als auch ein zweisprachiges Wörterbuch stehen ja auch noch zur Verfügung – auch wenn man diese wohl für „I had ever seen“ (von euch lila markiert) bestimmt nicht braucht.

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