Who the fuck fumbled with these „Annotations“?

Für den literarischen Text Ours are the Streets (Abi 2013) werden 8 Vokabeln in den Annotations angegeben. Wir sehen außerdem 32 weitere, die unbekannt sind, oder zumindest im Zusammenhang eindeutig definiert werden müßten. Also insgesamt 40 un-bekannte Vokabeln bzw. Mehrwort-Ausdrücke! In ll. 11-13 hat ein einziger Satz allein 4 Ausdrücke, die fremd sein dürften.

Viele der Vokabeln entstammen britischem working class-Jargon. Er trägt entscheidend dazu bei, das Konfliktpotential der Situation zu unterstreichen, kann aber auf keinen Fall als bekannt vorausgesetzt werden. Das Wörterbuch hilft kaum weiter. Ein Teil des Vokabulars ist außerdem anzüglicher Natur, ist kein Standard English, dürfte also ebenfalls weitgehend unzugänglich sein. Nur einer dieser Ausdrücke (Z. 63: tit man) wird erläutert. Das Wort fuck wird offensichtlich als bekannt vorausgesetzt. Es taucht auf in den Phrasen thank fuck (ll. 3-4) und Get the fuck lost (l. 66), also als modifier, aber mit unterschiedlicher Funktion und Bedeutung.

Hier der Überblick über das unbekannt bleibende Wortmaterial (orange markiert):

Unbekannte Viokabeln Markiert Shot 72 dpi

Ab Zeile 22 werden kurzweg keine Vokabeln mehr erklärt, abgesehen von tit man in der vorletzten Zeile. Hat den Klausur-Entwerfer zwischendurch der Mut verlassen angesichts so vielen unbekannten Wortmaterials? Oder war er Kaffee trinken gegangen und hat danach den Überblick über seine Notizen verloren? Feststeht, daß für das bloße Aufsuchen der Wörter mindestens eine halbe Stunde verloren ist, die sonst für die Verfertigung der Klausur zur Verfügung stünde. Weitere Zeit vergeht für die Sinn-Integration dieses fremden Wortmaterials. Unter den unbekannten Wörtern/Ausdrücken befinden sich einige, deren Bedeutung trotz Wörterbuch unklar bleibt oder nur erraten wird, so z.B. the restaurant sempt to straighten its back / something that didn’t quite fit about my mind / you wouldn’t be a star / teeny-weeny kiss /cop a feel / get the fuck lost. 

Korrekterweise machen die Autoren darauf aufmerksam, daß der Begriff love insgesamt 4mal mit derselben Verwendung auftaucht. Die gleichermaßen schichtenspezifische Verwendung von were (statt was) wird nur für Zeile 1 erläutert (were here was), obwohl dieser Gebrauch des Hilfsverbs 9 (neun) weítere Male auftaucht – in den Zeilen 6, 7, 8, 26, 32 (2x), 53, 58 und 64. Bei allem quasi-akademischen Anspruch der Aufgabe: Akademisch ist diese Inkonsequenz nicht.

Die gedankenlose Nachlässigkeit der Aufgabenstellung im schriftlichen Abitur wird hier einmal mehr deutlich.  Zur Aufgabenstellung und den sog. Anforderungen erscheint jetzt erstmal nichts mehr. Wir als Team drohen zu verblöden, wenn wir uns über längere Zeit mit diesem chaotischen Schreibtischtäter-Geschreibsel des Ministeriums abgeben.

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Über Saint Paul

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